“Bei allem, was man tut, das Ende zu bedenken, das ist Nachhaltigkeit.” (Eric Schweitzer)

Stehen die Begriffe “fair & bio” eigentlich (immer noch) im Widerspruch zu “modern & schön“? Mittlerweile findet man auch in der Nähwelt sehr viele Biostoffe und diese Stoffe sind fair produziert und schadstofffrei – keine Selbstverständlichkeit. Ich habe in den letzten Tagen sehr viel zu diesem Thema gelesen und mir mal meine Gedanken dazu gemacht. Wieviel Kleidung habe ich selbst und wieviel eigentlich meine Kinder. Bei der genähten Kleidung weiß ich woher die Stoffe kommen, was sie kosten und was mein genähtes Stück für einen Wert hat. Wisst ihr das eigentlich auch? Wer mal einen schönen Beitrag dazu lesen möchte, sollte mal zu Mamimade hüpfen. Susanne schreibt hier richtig detailliert über Preis und Wert eines genähtes Shirts.

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Was ich sonst so kaufe?…..sicher nicht immer sinnvoll, oft auch einfach, weil es mir gefällt. Wie viele andere habe ich auch Kleidungsstücke die ich gar nicht mehr trage….richtige Schrankhüter. Ich bin mir aber sicher, das es andere Menschen lieben würden. Ich mache mir neben der Kleidung genauso über die Nahrungsmittel Gedanken. Erdbeeren im Winter? Das scheint irgendwie unpassend zu sein. Ähnlich ist es mit Stoffen oder Ebooks. Habt ihr Euch mal gefragt, woher euer Stoff kommt? Oder wieviel Arbeit in einem Ebook steckt? Jeder Verkäufer der dahinter steckt, muss davon leben können und ich finde, dass das nicht in Vergessenheit geraten sollte. Das ist unglaublich viel Arbeit und keiner von uns würde einfach so, ständig etwas verschenken, oder? Jedenfalls nicht,  wenn er davon seine Familie ernähren müsste.

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Dieser Biostoff ist von der Firma Albstoffe. Die Firma Albstoffe achtet enorm auf die Herstellungsbedingungen des gesamten Produktionsprozesses ihrer Stoffe und Garne. Das Unternehmen ist GOTS zertifiziert und strickt in Deutschland. Ist doch irgendwie schön zu wissen, dass das alles fair produziert wurde. Und mal ganz ehrlich, er ist etwas teurer aber nicht enorm überteuert.  Vielleicht, auch wenn man gerne näht, sollte man überlegen, wieviel Kleidung ein Kind eigentlich braucht. Ob man eher auf weniger und dafür hochwertiger setzt?DSC_3073

Unsere Sachen verkaufe ich , nachdem sie nicht mehr passen, sehr gerne. Oder ich verschenke sie an Freunde oder bringe sie zu Hilfsorganisationen.  Ich finde es auch toll, wenn meine Kinder mal eine Hose eines älteren Freundes geschenkt bekommen. Klar, warum sollte man die zu kleine Hose auch nicht nochmal weitergeben und ein anderes Kind darin glücklich umherlaufen sehen?DSC_3074

Bei den Schnitten ist es ähnlich. Man muss nicht jedes angesagte Schnittmuster haben. Einige Schnitte kann man sich, mit ein wenig Übung, auch selbst ändern. Oder aber man kauft sich Schnittmuster, die schlicht sind und doch ganz viel Möglichkeiten bieten, es immer wieder anders zu nähen. Dieses Kleid ist eigentlich für Webware gedacht.DSC_3081

Die seitlichen Einsätze können im gleichen aber auch in einem anderen Stoff genäht werden. Näht man es aus Webware oder ähnlichen Stoffen, so muss man im Rückenteil einen Schlitz oder einen Reißverschluss einnähen.DSC_3082

Ein gutes Beispiel, denn ich habe das Kleid komplett aus Jersey genäht und dafür einen Ringelstoff verwendet. Die seitlichen Einsätze entgegen dem Fadenlauf zugeschnitten ergibt das Ganze eine “Ringelspielerei”.

Das Kleid ist eigentlich ganz simple und doch total pfiffig, wie ich finde. Ich habe  einen Meter Stoff gebraucht und ein kleines Stück Bündchen. Die reinen Materialkosten belaufen sich auf knapp 21€ und meine Zeit. Ich finde das fair. Meine Tochter wird dieses Kleid den gesamten Sommer tragen und ich bin mir sicher, dass das Kleid auch noch ein anderes Mädchen glücklich machen wird. DSC_3084

Man könnte das Kleid sogar aus einem alten Kleid nähen, was man nicht mehr mag – Stichwort Upcycling. Wer nähen kann, kann sich vieles aus alten Klamotten nähen. Ausrangierte Hemden, Jeans und Stoffe….alles ist möglich und denkbar. Ich glaube, da muss ich auch noch mehr ausprobieren und testen. Das ganze Thema regt auf jeden Fall zum Nachdenken an und das sollte man auch, wenn es um die zweite Haut geht. Ja, Ökö und Bio ist lange nicht mehr langweilig und öde. Oder ist dieses Kleid etwa langweilig? Das rot leuchtet so kräftig und das Material ist absolut hochwertig und kuschelig weich. So kann Kind sich doch absolut frei bewegen und wohlfühlen UND schick aussehen!

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Ich glaube über die Nachhaltigkeit werde ich nun noch ein wenig lesen und  schauen, dass das Thema auch in Zukunft nicht in Vergessenheit gerät. Sich über verschiedene Dinge Gedanken zu machen, erscheint mir als sehr wichtig – auch gemeinsam mit meinen Kindern. Wie wächst eine Tomate, woher kommt unsere Milch, woher das Kleid was man gerne mag und wo wurden die Schuhe hergestellt die wir tragen. Ach ich könnte ewig so weitermachen. Müll und Recycling, Natur erleben, gesunde Ernährung, Klima und vieles mehr.  DSC_3106

Näht man etwas selbst und sieht wieviel Arbeit in einem einzigen Kleidungsstück steckt, bekommt man einen anderen Blick auf Kaufkleidung. Bei mir ist es auf jeden Fall so. Wie ist es bei Euch?

Habt einen schönen Sonntag

Dagmar

Schnitt: Antalya  Dress vom amerikanischen Label Kid Approved / übersetzt ins Deutsche von Nähconnection (als Schnittmusterpaket erhältilich)

Stoffe: Bio Ringeljersey und Bio Bündchen in tulpenrot von Albstoffe via Stoffbüro

Der große Begriff “Nachhaltigkeit”

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11 Gedanken zu “Der große Begriff “Nachhaltigkeit”

  1. Schöner Artikel. Das Kleid ist toll. Würde auch ich mit fast 43 tragen. Gebe Dir in allen Punkten recht. Verkaufe auch die Kleidung meiner Tochter, aber wenig sind die Leute bereit das zu zahlen. Deshalb bringe ich die Mehrzahl zum Kleiderkaufhaus.. Nachhaltig einkaufen ist wichtig, Erdbeeren im Winter sind quatsch. Lieben Gruss

    1. Danke für Dein Kompliment!
      Ich würde es auch tragen – sofort! Vielleicht heben wir beide die Hand für einen Damenschnitt :-)!
      Nein, die Leute sind oftmals nicht bereit, weil sie die Arbeit und die Materialkosten nicht sehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man darüber berichtet, sind die wenigsten noch geizig. Ich glaube wir sind oftmals auch ein Stück weit selbst Schuld. Es gibt wirklich viele Näherinnen, die ihre Sachen unter Wert verkaufen und so das Bild verschieben. Handmade hat ihren Preis!!!

      Ganz liebe Grüße
      Dagmar

  2. Hallo Dagmar,
    welche Größe hast du für das Kleid genommen ?
    Ich frage nur ,da ich der Meinung war,der Schnitt wäre für festere Stoffe gedacht .
    Hab eine schöne Zeit und mach weiter so !!
    GLG
    SAndra

    1. Liebe Sandra,
      der Schnitt ist für Webware, genau! Ich habe unsere derzeitige Größe genommen….122! Aber an den Seiten etwas abgenommen! Ich denke eine Nummer kleiner würde es richtig perfekt passen;-)!

      Danke für Deine Nachricht und liebe Grüße
      Dagmar

  3. Sehr wertvoll, was du geschrieben hast. Ich denke immer wieder an den Stenzo-Stand auf dem Stoffmarkt, wo es zu Prügeleien kommt, weil alle den halben Meter für 4 Euro abgreifen wollen. Selbermachen ist halt nur die halbe Miete. Die Stoffe mit Blick auf unsere Verantwortung aussuchen, das wäre fast noch wichtiger.

    1. Liebe Bettina,

      ja so ist es! Klar ist es verlockend. Anfangs habe ich oft so gedacht aber ich denke Genähtes sollte ja das Gekaufte ersetzen oder vervollständigen. Man sollte all das, was im Kleiderschrank hängt, miteinander kombinieren können. Dazu finde ich hochwertige Stoffe einfach wichtig. Deshalb greife ich auch mehr und mehr zu Stoffen, die mir wirklich zu 100% gefallen.

      Ich wünsche Dir einen schönen Abend
      Dagmar

  4. Das ist eine tolle Ringelei und ich handhabe es bei Anziehsachen wie du, entweder recycelt oder geschenkt bekommen oder selber genäht möglichst aus GOTS-zertifizierten Stoffen (seitdem ich kapiert habe wie das alles funktioniert und es hoffentlich auch tut). Gekauft habe ich in den aktuellen Größen nur zwei Wunschshirts mit besondern Motiven. Für mich will ich erst anfangen zu nähen, aber meine Kaufklamotten halten sich sehr in Grenzen und finden sich bis es gar nicht mehr geht im Schrank – mir ist das nicht so wichtig. LG Ingrid

    1. Liebe Ingrid,

      lieben Danke für Deine Worte zum Ringelkleid. Ich hoffe ähnlich wie Du, dass das auch alles so fair und biologisch ist. Das hoffe ich auch oft beim Essen. Für einen selbst zu nähen ist gar nicht so einfach. Jedenfalls geht es mir so. Erst jetzt trage ich die genähten Sachen auch gerne und mit Überzeugung, weil ich meinen Stoffstil gefunden habe und technisch auch langsam zufrieden bin. Näht man sich selbst was, ist man total kritisch. Ich bin es jedenfalls. Bei so mancher Kaufkleidung bin ich es erst geworden….da gibt es so manches Teil mit schiefer Naht oder schlecht gearbeiteten Kragen.

      Ich wünsche Dir einen schönen Abend
      Dagmar

  5. Liebe Dagmar,

    ich finde es prima, dass du dir Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit machst. Ich versuche genau wie du bei vielen Dingen einfach etwas bewusster einzukaufen und vorab nachzudenken, ob ich jetzt wirklich diesen Stoff und dieses Schnittmuster auch noch benötige, oder eigentlich bereits genügend ähnliche Sachen im Schrank liegen habe.
    Und wie du schon schreibst, kann man das auf viele Bereich im Leben ausweiten.

    Biostoffe und Selbernähen sind tolle Möglichkeiten den Kleiderschrank nachhaltiger zu gestalten. Vielleicht magst du dich ja mit dem hübschen Kleid deiner Tochter bei meiner Bio-Linkparty verlinken. Jeden Monat geht es bei mir genau um diese Themen 🙂 Ich würde mich freuen:
    http://www.keko-kreativ.de/category/bio-linkparty/

    LG,
    Kerstin

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